„Wir wagen es!“
„Wir wagen es!“
VON Tabea Schönfelder
„Auf gar keinen Fall!“ – das war meine erste Reaktion auf den Vorschlag, Pfarrreferentin zu werden. Zu oft hatte ich erlebt, wie Pfarrpersonen an ihre Grenzen stoßen. Ich fürchtete, dass damit die Freiheit verloren geht, in der ich bisher arbeiten durfte:
zwischen vertrauten Formen und dem Mut, Neues auszuprobieren. Doch die Anfrage beinhaltete etwas Unerwartetes: Zur Stelle gehört ein missionarischer Pfarrstellenanteil – und die Aussicht auf Teamarbeit mit meinem Kollegen. Inzwischen einige Zeit vergangen – und aus dem „Auf gar keinen Fall!“ wurde ein: „Wir wagen es!“ Und dieses Wagen bedeutet für mich in vielem vor allem eines: Unsicherheit.
Da ist zum Beispiel die Frage nach meiner Rolle: Was ist eigentlich meine Aufgabe? Wie fülle ich sie aus? Ich wechsle nicht nur beruflich die Position – ich verändere meine Rolle innerhalb eines Systems, in dem ich bisher in ganz anderer Funktion unterwegs war. Ich bleibe also dieselbe Person, im selben Kontext – und doch verändert sich vieles: Plötzlich trage ich Talar, übernehme neue Aufgaben, trete sichtbar anders auf. Das verändert etwas in mir und auch bei den Menschen, die mich bislang nicht in dieser Rolle kannten. Gleichzeitig bewege ich mich in einer Kirche, die nach wie vor stark pfarrzentriert ist. Und genau darin liegt die Herausforderung: Die eigene Rolle zwischen gewachsenen Erwartungen und tradierten Zuständigkeiten zu finden und irgendwie auch ich selbst zu bleiben. Ich erlebe mich dabei immer wieder schwankend zwischen: „Ich will mich nicht hineindrängen.“ Und „Ich will da hinein.“
Plötzlich trage ich Talar, übernehme neue Aufgaben, trete sichtbar anders auf.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Ich investiere schon – obwohl noch nicht alles sicher ist. Ich mache Fortbildungen, um überhaupt für die mögliche Stelle infrage zu kommen. Ich übernehme nach und nach Aufgaben, die für die geplante Stellenteilung wichtig sind – vieles davon ist neu für mich. Das alles ist spannend, herausfordernd und inspirierend – aber eben auch ein großer zeitlicher und innerer Einsatz. Und das, obwohl ich die Stelle noch gar nicht habe. Es gibt bisher keine verbindliche Zusage, dass alles wirklich so kommt. Zwar gab es Gespräche – aber weil ich zwar acht Jahre Berufserfahrung mitbringe, jedoch erst seit Kurzem den Titel „Prädikantin“ trage, braucht es eine Ausnahmeentscheidung.
Es ist Schritt ins Ungewisse – im Hoffen und Vertrauen. Und es geht, weil ich nicht allein gehe. Weil ich erlebe, dass mich Pfarrkollegen der Region mit hineinnehmen. Weil ich mit meinem Kollegen vor Ort im Austausch bin – über Rollen, Erwartungen, Grenzen, Chancen – und wir Teamarbeit einüben im Bereich der „missionarischen Pfarrstelle“. Weil ich auch von der Gemeinde gespiegelt bekomme: Herzlich willkommen in der neuen Rolle!
Foto von Holly Mandarich auf Unsplash
AUTORIN · AUTOR

Tabea Schönfelder ist auf dem Weg in eine Pfarrreferentinnenstelle. Sie ist Sozialpädagogin, Theologin und hat einen Master in Transformationsstudien, der sich mit gesellschaftlichem Wandel und dessen Bedeutung für Kirche und Glauben beschäftigt. Mit ihrem Mann und ihren 3 Kindern lebt sie im Erzgebirge und ist Teil des Netzwerks ChurchConvention.

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