Teil 5: … und wenn du sie nicht hingesetzt hast, dann stehen sie noch heute
Teil 5: … und wenn du sie nicht hingesetzt hast, dann stehen sie noch heute
VON Elisabeth Boodes
Regieanweisungen für einen Gottesdienst.
Darüber hatte ich mir bis dato keine Gedanken gemacht. Nun aber soll ich zu Ausbildungszwecken jeden einzelnen Schritt des Gottesdienstes verschriftlichen. Vom Zeitpunkt des Glockengeläuts zu Beginn bis zum Amen nach dem Segen ist alles Schwarz auf Weiß durchzutakten. Wer steht wann auf, stellt sich wohin, blickt in die Gemeinde oder in seine Unterlagen? Und wann setzt er sich wieder wohin? Was sich für mich erst etwas beengt anfühlt, eröffnet mir seinen Sinn spätestens dann, wenn ich in unserer großen Innenstadt-Kirche stehe und mir sehr genau überlegen muss, von wo ich mit der Gemeinde sprechen und von wo ich beten möchte. Mache ich mir vorher darüber keine Gedanken, taumele ich durch die großen Räume, stehe nachher an Stellen, zu denen ich nie wollte, weil der Blick auf die Gemeinde nicht gut ist oder mir das Kreuz aus dem Hinterkopf optisch hervorwächst. Letztlich verliere ich dann die Kontrolle über das äußere Geschehen und verunsichere nicht nur mich selbst.
Der Gottesdienst, geregelt wie die Straßenverkehrsordnung
Natürlich ist das nur eine didaktische Übung und kein Vorbereitungstool für jeden Gottesdienst. Dennoch stellt sich die Frage: Wieviel Regelwerk braucht ein Gottesdienst? Vergesse ich beispielsweise, der Gemeinde das Signal zu geben, sich nach der Lesung wieder hinzusetzen, predige ich vor einer stehenden Gemeinde. So jedenfalls die Theorie. Dass die Gemeinde stehen bleibt, nur weil ich eine Geste vergesse – die ich unmittelbar nachholen könnte – oder dass ein Abendmahlshelfer bis zur nächsten Abendmahlsfeier am Altar stehen bleibt, weil er sich nach meinen Unterlagen nicht wieder hinsetzt, dürfte in der Realität keine ernsthafte Gefahr sein.
„Wieviel Regelwerk braucht ein Gottesdienst?“
Dieses regulative Strukturieren eines Gottesdienstes ist mir persönlich fremd. Bei den guten Seiten, die ich oben beschrieben habe, empfinde ich auch einen Nachteil: Der von A bis Z durchgeplante Gottesdienst kommt mir vor, als würde ich mich in einem engen Korsett befinden, das zu einem Verlust der Freiheit, die ein Gottesdienst auch ausstrahlen soll, führen kann. „Du musst die Form kennen, um sie bewusst brechen zu können.“ Dieser Hinweis ist für mich sehr einleuchtend und auch erleichternd. Ich hoffe, dass ich diese Formen wirklich durchdringe, um ihnen dann auch zu entfliehen, wenn es nicht mehr ist als diese. Damit auch die Gestaltung eines Gottesdienstes ein Abbild der Freiheit der Kinder Gottes sein kann.
Titefoto von Keagan Henman auf Unsplash
AUTORIN · AUTOR

Elisabeth Boodes, verheiratet, ist (oft musikalischer) Teil der ev. Kirchengemeinde Lippstadt und selbstständig als Rechtsanwältin tätig. Aus ihrer Feder stammt das Buch „Gnade ist immer trotzdem. Als Christin homosexuell? Eine Suche nach Antwort.“ (Neukirchener). Sie mag Toffifee und Eichhörnchen.

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