Buchtipp: Kirchengemeinde entwickeln
Buchtipp: Kirchengemeinde entwickeln
VON Andreas Schmierer
„Kirchengemeinde entwickeln.“
Von Gerhard Wegner
Vandenhoeck & Ruprecht

Wie geht es mit der Kirche weiter? Strukturprozesse und Kürzungsdebatten sind an der Tagesordnung. Wie kann Transformation gelingen und welche Rolle spielt dabei die Gemeinde?
Genau diese Fragen stehen im Zentrum der Überlegungen in Gerhard Wegners neuem Buch. Als langjähriger Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD ist Wegner geradezu prädestiniert, die empirischen Erkenntnisse zu analysieren und mit theologischen Konzepten zu diskutieren. In fünf Abschnitten vermisst Wegner die kirchliche Landschaft und liefert hilfreiche Einsichten und Fragen, die zum Weiterdenken anregen.
Der erste Teil ist wenig erbaulich, das räumt Wegner selbst ein. Anhand aktueller Untersuchungen skizziert er den Zustand der Kirchengemeinden. Dass für ca. zwei Fünftel der Kirchenmitglieder dabei „belonging without believing“ gilt, ist mehr als nur traurig. Absolut hilfreich ist dagegen Wegners Blick über den deutschen Tellerrand, da die Ortskirchengemeinde in ihrer parochialen Form weltweit eine Ausnahme darstellt. In zwei weiteren Teilen setzt sich Wegner mit den Grundlagen auseinander: Was ist Gemeinde? Wie kann Transformation gestaltet werden? Die Komplexität einer Weiterentwicklung der Kirchengemeinde wird im vierten Abschnitt deutlich, in dem Wegner die unterschiedlichen Akteure benennt und mit ihren Rollen und jeweiligen Interessen präsentiert. Ein abschließendes Plädoyer für eine vitale Gemeinde, die Impulse aus der katholischen Forschung aufnimmt, rundet das Buch ab.
Etwas vermisst habe ich die Themenbereiche „Fresh Expressions of Church“, „Regiolokale Kirchenentwicklung“ sowie einen stärkeren Fokus auf Kleingruppen (Hauskreise etc.), welche im deutsch-freikirchlichen und englischsprachigen Kontext eine zentrale Rolle spielen, wissenschaftlich gegenwärtig jedoch weitgehend unberücksichtigt bleiben.
Fazit: Kein Buch für Christen, die den Kopf in den Sand stecken wollen, aber ganz gewiss eine ansprechende Lektüre für alle, denen die Erneuerung der Kirche am Herzen liegt und die Strukturen eine dienende Funktion zumessen!
AUTORIN · AUTOR
Andreas Schmierer ist Pfarrer der Württembergischen Landeskirche und Studienassistent für Praktische Theologie im Albrecht-Bengel-Haus in Tübingen. Ehrenamtlich engagiert er sich im 3E-Redaktionsteam.

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