Kirche ohne Titelträger

Kirche ohne Titelträger

VON Andrea Völkner

Veröffentlicht am: 12. Juni 20261,8 min Lesezeit359 WörterKategorien: Alle, Gemeinde – allein zu HausSchlagwörter: , , , , , , , , , , , , Aufrufe: 22

Wenn Laien das Ruder übernehmen und Gemeinde nach vorne bringen

„Eine Gemeinde ohne hauptamtlichen Pastor? Das ist ja wie ein Krankenhaus ohne Arzt“, hörte ich neulich eine Pfarrkollegin sagen. Ist das so? Sind Gemeinden ohne Hauptamtliche verwaist?  Nein, denn eigentlich kommt das Wort Laie von Laos, Gottesvolk. Und in dem sind alle Priester (1. Petrus 2,9). Die Unterscheidung zwischen Laien und Hauptamtlichen wurde erst später in der Kirchengeschichte eingeführt.

Ein Leib, viele Glieder

Manchmal frage ich mich: Welche Bilder von Gemeinde leiten uns (vielleicht oft genug unterbewusst)? Ist Gemeinde ein Krankenhaus voller Pflegebedürftiger, die einen Arzt brauchen? In „Gemeinde allein zu Haus“ klingt wiederum eine Familie an – mit Pastoren als Eltern und den Gemeindegliedern als Kindern, die leider von den Sorgeberechtigten vergessen wurden … Doch es gibt ja auch ganz andere Bilder von Gemeinde: das einer Fußballmannschaft, die im Team spielt; einer Klettergruppe, bei der alle den Berg gemeinsam hinaufsteigen; eines Staffellaufs – oder das biblische Bild eines Körpers, bei dem die unterschiedlichen Teile ihre Aufgabe haben, egal ob Hand, Auge oder Fuß (1. Kor 12,12ff). Da sind Personen, die trainieren, motivieren oder Haken zum Klettern einschlagen, aber letztlich sind alle verantwortlich.

Es braucht für Gemeinden eine theologisch gebildete Person, die ansprechbar ist in Fragen des Glaubens und der Verkündigung – damit nicht die lauten Stimmen den Kurs diktieren, die oft die ängstlichen, engen sind, sondern die mit Weitblick, Wissen und Herz. Aber Gemeinden ohne Hauptamtliche sind nicht allein. Vielmehr sind sie miteinander am Spielen, Klettern, Lernen, Vorangehen. Manchmal aus Finanznöten oder Vakanzen, manchmal aus Entdeckerfreude heraus entstehen heute ‚Ehrenamtsgemeinden‘, Gemeinden, deren Leben ganz von Ehrenamtlichen gestaltet wird.

Teamplayer statt Einzelkämpfer

Diese Gemeinden haben eine andere Organisationsstruktur, oft gekennzeichnet durch flache Hierarchien und eine hohe Beteiligungskultur. Ohne Team geht hier nichts: Wenn ein Format nur an einer Person hängt, ist es nicht überlebensfähig. Statt Perfektionismus und großer Show helfen Formen, die einfach und multiplizierbar sind, bei denen Menschen sich trauen, mitzumachen. Mentoring ermöglicht gerade jungen Menschen, Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht entstehen sogar Formate, die mit Pastorin nicht entstanden wären, weil Menschen Verantwortung übernehmen, die es sonst nicht getan hätten.

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