Herzschlag gesucht: Wie Frohbotschaft wieder lebendig wird

Herzschlag gesucht: Wie Frohbotschaft wieder lebendig wird

VON Christine Schliesser

Veröffentlicht am: 6. Juli 20262,9 min Lesezeit578 WörterKategorien: Alle, Kompass, UnterwegsSchlagwörter: , , , , , Aufrufe: 23

Mission klingt oft nach Pflichtprogramm – dabei ist sie eigentlich Herzsache. Warum uns das „Frohbotschaften“ schwerfällt und was wir von Jesus lernen können: eine sinnliche, überraschend alltagstaugliche Spurensuche zwischen Sehen, Berühren und Erzählen.

Frohbotschaften. Auf Griechisch heißt das „euangelízestha“, also die gute Nachricht von Jesus Christus verkündigen. Eigentlich das Natürlichste der Welt für die Kirche. Entsprechend heißt es auch in der Verfassung der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn: „Die evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Bern hat von ihrem Herrn den Auftrag, allem Volk in Kirche und Welt die Frohe Botschaft von Jesus Christus zu verkündigen.“

Eine Kirche mit Herzproblemen

Doch irgendwie scheinen wir uns damit schwer zu tun – kollektiv als Kirche wie auch als einzelne. „Mission? Evangelisation? Rette sich, wer kann!“ So fasste der Tübinger Theologe Eberhard Jüngel das allgemeine Unbehagen mit diesem Thema zusammen. Und fährt dann fort: „Wenn die Kirche ein Herz hätte, ein Herz, das noch schlägt, dann würden Evangelisation und Mission den Rhythmus des Herzens der Kirche in hohem Masse bestimmen. … Eigentlich müssten sich Mission und Evangelisation für die christliche Kirche also von selbst verstehen.“ Eigentlich.

„Mission? Evangelisation? Rette sich, wer kann!“

Wenn das Frohbotschaften also der Herzschlag von Kirche ist, dann haben wir es offenbar mit akuten Herzrhythmusstörungen zu tun. Wie aber lassen sich diese beheben? Ein erster therapeutischer Schritt wäre, sich neu auf das Frohmachende der Frohbotschaften zu besinnen. „Kommt und seht!“, so sagt es die Frau am Brunnen, die Jesus getroffen hat, ihren Nachbarn (Joh 4,29). Schaut selbst! Frohbotschaften ist eine Einladung herzuschauen. Die Welt in einem neuen Licht zu sehen, im lebensspendenden Licht des Reiches Gottes.

Bei Jesus in die Lehre gehen

Ein zweiter Therapieschritt: Wir schauen uns an, wie Jesus selbst „gefrohbotschaftet!“ hat. Dabei zeigt sich schnell: Frohbotschaften ist ganzheitlich, sinnlich und kreativ.

  1. Sehen: Jesus schaut zunächst einmal her. Er schaut an. Es geht um den liebevollen, den werbenden Augen-Blick. Der aber freilich auch bei Jesus nicht immer Erfolg hat, wenn wir etwa an die Geschichte vom reichen Jüngling denken (Mk 10,21).
  2. Berühren: Jesus hat keine Angst zu berühren, nicht einmal Aussätzige. Und er hat keine Angst berührt zu werden, nicht einmal von Frauen. Seine heilenden Berührungen verkündigen das Reich Gottes.
  3. Schmecken: In der Tischgemeinschaft zeigt Jesus sich als Genießer. Er ist isst und trinkt und hat offenbar auch noch Spaß dabei. Schmecket und sehet!
  4. Hören: Und hier hat die protestantische Betonung des Wortes ihren guten Ort. Aber welche Worte sind es? Jesus kann in gelehrten Diskursen, etwa mit den Pharisäern, gut mithalten. Er antwortet intelligent, sogar ziemlich schlagfertig. Doch sind es wohl vor allem seine Geschichten aus dem Alltag, seine Gleichnisse, die Menschen angerührt haben. Nicht abgehoben, sondern verständlich, zeitgemäß.
  5. Riechen: In 2. Kor 2, 14-16 schreibt Paulus, dass wir als Christinnen und Christen «der Wohlgeruch Christi» in der Welt sind. Nicht nur seine Stellvertreterinnen und Stellvertreter, sondern ganz offensichtlich auch noch gut duftende. Es ist angenehm, in unserer Nähe zu sein. Man kann uns gut riechen.

„Wenn das Frohbotschaften also der Herzschlag von Kirche ist, dann haben wir es offenbar mit akuten Herzrhythmusstörungen zu tun.“

Frohbotschaften ist also ein ganzheitliches, sinnliches und kreatives Geschehen, dessen Ziel es ist, die Wirklichkeit im Licht des Evangeliums zu beschreiben. Vielleicht können wir die Herzrhythmusstörungen auf diese Weise in den Griff bekommen?

Titelbild: Michaela St bei pexels

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