Thai Soulfood, in Bayern neu eröffnet

Thai Soulfood, in Bayern neu eröffnet

VON Tanja Kasischke

Veröffentlicht am: 8. Juli 20264,1 min Lesezeit742 WörterKategorien: Alle, Unterwegs, WanderroutenSchlagwörter: , , , , , , , Aufrufe: 69

Na(c)hbar im Neubaugebiet: „projektK“ aus München-Freiham zeigt, wie Gemeinde als Learning Community geht: Wer zuhört, lernt die Haltung des Stadtteils kennen

Die Geschichte von projektK beginnt unter Palmen. Stefan Höß und seine Frau Li-Anne arbeiten zu diesem Zeitpunkt für die Marburger Mission in einer christliche Gemeinde in Thailand. Sie erleben dort, dass die Bibel Tischgespräch und nicht nur dem Gottesdienst vorbehalten ist. „Die Menschen gingen in die Kirche, aber ihre Glaubenspraxis war weniger am Gebäude orientiert als es bei uns der Fall ist“, erinnert sich der Theologe. Anteil an Gebet und Gemeinschaft hatte das Essen. „Glaube ohne Schwelle und Nachfolge als christliches Streetwork“, das hat den gebürtigen Augsburger beschäftigt. An der Haltung, mit der Christinnen und Christen in Südostasien ins Gespräch kamen, fiel ihm auf: „Die hören zu.“ Li-Anne ergänzt: „Die lernen, indem sie zuhören.“ Ein Auftrag war erteilt.

Kirche geht hin

Eine na(c)hbare, aufsuchende Kirche, die diesem Spirit folgt, gibt es seit fünf Jahren in München-Freiham, dem größten Neubaugebiet im Freistaat. 25.000 Menschen sollen im Westen der bayerischen Landeshauptstadt in den kommenden Jahren heimisch werden. 9.000 leben bislang in Freiham. Stefan und Li-Anne gehören mit ihren Töchtern dazu. Die Familie kehrte 2020 nach Deutschland zurück und ließ sich von ihrer landeskirchlichen Gemeinschaft, dem evangelischen Hensoltshöher Gemeinschaftsverband aus dem Gnadau-Netzwerk nach München entsenden, um dort Gemeinde zu bauen. „Vor den hohen Mieten hatten wir schon Respekt“, sagt Stefan, „aber wir wollten zugleich Pioniere sein. Wo sich eine Stadt neu erfindet, kann das auch Kirche.“

„Wo sich eine Stadt neu erfindet, kann das auch Kirche.“

Stefan ist zu 100 Prozent bei projektK angestellt, Li-Anne hat eine Viertelstelle. Aller Anfang war sprichwörtlich schwer, nicht weil die lokalen Gemeinden das neue kirchliche Projekt beargwöhnt und ihm die Zusammenarbeit verweigert hätten. Im Gegenteil: „Wir trafen auf eine tolle Ökumene“, sagen die Gründer. So gar nicht auf dem Zettel hatten sie aber die Pandemie, die ihre Startphase ausbremste. Allmählich erst nahmen die Angebote an Fahrt auf. Weil projektK keine festen Räume hatte und einen großen Radius zog, sprach sich die Initiative dafür schnell herum. Freihams Neubauten sind zu einem Drittel genossenschaftlich getragen, deren Bauherren reagierten gegenüber Kooperationen aufgeschlossen. Nach ersten Versuchen mit Spielangeboten für Familien mit Kindern, dem MUT-Projekt der Evangelischen Kirche in Bayern vergleichbar, haben sich inzwischen regelmäßige Termine „mit explizit christlichem Inhalt“ etabliert, beschreibt Li-Anne. „Alles, was wir anbieten, ist eine Form von Gottesdienst.“ Oder: Gottes Dienst. Honorare für Referierende oder Bands sind spendenfinanziert, Räume bekommt projektK entweder kostenfrei oder mietet sie an. Konzerte, Kindergottesdienste, einen Bibelaktionstag für Kinder oder den Bibelkreis „Word and Cake“ (Wort und Kuchen) für Erwachsene zählt die gelernte Erzieherin und Gemeindepädagogin auf.

Neben Stefan und Li-Anne Höß erweitert sich der Kreis derer, die mitwirken, stetig. 80 bis 100 Teilnehmende besuchen wöchentlich die Formate von projektK. Der Kindergottesdienst ist im Kindertreff des SOS-Kinderdorfs, für „Word and Cake“ stellt die evangelische Gemeinde Räume zur Verfügung, die Konzerte finden in der katholischen Pfarrei statt. Was komfortabel und sicher klingt, bleibt ein Rechnen. Die Formate sind kostenfrei, betonen die Gründer, doch während die einen Teilnehmenden die Aufforderung, zu spenden, ernst nehmen, mitunter sogar gezielt fragen welcher Betrag helfe – stünden andere auf dem Standpunkt: „Wir kommen zum Essen, aber bringen nichts mit.“

Nicht alles gelingt

So geschehen beim Bring-and-Share-Buffet, mit dem projektK das internationale Profil des Stadtteils sichtbar machen wollte. Der Plan: Menschen unterschiedlichen Alters und Hintergrunds kommen zusammen und teilen, was bei ihnen an landestypischen Speisen auf den Tisch kommt. Hörende Haltung und Soulfood, eine Thailand-Reminiszenz für die Gründer, eine Leerstelle in Freiham. Die Idee ging nicht auf. Auch das gehöre dazu, findet Stefan Höß, „dass man ein Format wieder einstellt, wenn es nicht funktioniert“.
Perspektivisch will er vom ersten Ansprechpartner für alle und alles in die zweite Reihe wechseln, „in eine beratende Funktion“, und von dort Menschen empowern, die projektK zu gesundem Wachstum verhelfen. Ein biblisches Anliegen, „das von der Realität noch weit entfernt ist“, gesteht der Theologe. „Wir haben tolle Mitarbeitende, aber keine Leitenden.“ Fortsetzung? Folgt, denn das sympathische projektK in München-Freiham steht bei weitem nicht nur für Projekt Kirche. Es könnte, im Sinne der apostolischen Dienstgemeinschaft, auch stehen für: Projekt Kirche in Kleingruppen.

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