Wenn Kirche zum Fest wird

Wenn Kirche zum Fest wird

VON Rüdiger Jope

Veröffentlicht am: 18. März 20262,8 min Lesezeit525 WörterKategorien: Alle, Unterwegs, WanderroutenSchlagwörter: , , , , Aufrufe: 18

Wie die Festkirche in Solingen-Gräfrath Glaube, Kultur und Segen verbindet

Mitten auf dem historischen Gräfrather Markt passiert etwas Ungewöhnliches: Hier wird Kirche neu belebt – durch Musik, Begegnung und Segen. Die evangelische Festkirche zeigt, wie Tradition und Innovation zusammenfinden und Kirche wieder mitten im Leben ankommt.

Ein Kleinod mit neuer Mission

Der gepflasterte Marktplatz in Solingen-Gräfrath, eingerahmt von giebelständigen Fachwerkhäusern, ist ein Postkartenmotiv. An seiner Südseite steht die evangelische Saalkirche aus dem 17. Jahrhundert – mit schlichtem Innenraum und markantem Zwiebelturm. Doch genau hier beginnt ein Experiment: die „Festkirche“.

Pfarrer Thomas Schorsch steht vor dem Eingang und lacht, als er von der Idee erzählt: „Unsere Kirche hatte immer einen besonderen Charakter, aber kein Renommee im Umfeld. Gleichzeitig ist Gräfrath ein kreativer Stadtteil – Kunst, Musik, Initiative. Also fragten wir uns: „Warum das nicht verbinden?“ So entstand der Gedanke, die Kirche als Ort für Begegnung, Kultur und Spiritualität zu öffnen – in enger Kooperation mit Künstler:innen, Musiker:innen und der Nachbarschaft.

Räume, die Segen schenken

Drinnen ist alles schlicht. Calvinistisch. Geschnitzte Kanzel, Licht, Raum – nichts Überladenes. Schorsch erklärt: „Früher stand hier das Wort im Mittelpunkt. Heute suchen wir Wege, wie Menschen neu mit Gott in Berührung kommen können.“ Ein Schlüssel dazu ist das Segensangebot. Sonntags öffnet die Festkirche für Menschen, die Segen in besonderen Lebenslagen suchen: zu Beginn einer Schwangerschaft, vor Prüfungen, beim Umzug, nach Krankheit oder in Zeiten der Trauer. „Segen stärkt, unterstützt und verbindet“, sagt Schorsch. „Er öffnet Herzen, auch bei denen, die sonst mit Kirche wenig anfangen können.“

„Sie sagte mit Tränen in den Augen: Der Segen hat mir viel gegeben.“

Neben Segensfeiern finden hier Lesungen, Konzerte – von Klassik bis Irish Folk – und sogar Motorradgottesdienste statt. Im Advent wird die Kirche zum Startpunkt des Marktes „Kunst und Kostbarkeiten“. So entsteht ein Ort, an dem Glauben und Kultur sich gegenseitig bereichern. Schorsch erzählt von einer Besucherin, die ihn besonders berührt hat: „Sie war in Schwarz gekleidet, ihr Mann war kürzlich gestorben. Wir setzten uns, redeten, und am Ende sprach ich ein Segensgebet. Sie sagte mit Tränen in den Augen: „Der Segen hat mir viel gegeben.“

Einfach heiraten – einfach begegnen

Auch das Format „EINFACH HEIRATEN“ ist Teil des Projekts. 25 Paare kamen im letzten Jahr, um sich unkompliziert und dennoch bewusst trauen zu lassen. Schorsch bekennt: „Ich war anfangs skeptisch, dachte, wir verschleudern die Trauung zu billig. Aber das Gegenteil war der Fall: Die Paare waren hochkonzentriert, dankbar, ehrlich dabei.“ So wird die Festkirche zu einer Schwelle nach unten, zu einer Einladung für Menschen, die Kirche neu entdecken wollen. Für den Theologen ist klar: Kirche hat etwas Einzigartiges zu bieten. „Segen ist unser Alleinstellungsmerkmal. Wir können Menschen Kraft geben – mitten im Dorf, mitten im Leben.“

Draußen auf dem Markt weht der Wind durch die Gassen. Die Türen der Kirche stehen offen. Auf einem kleinen Kärtchen steht: Geliebt. Getragen. Gesegnet. – drei Worte, die sagen, worum es der Festkirche wirklich geht.

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