„Prost & Amen“

„Prost & Amen“

VON Thomas Lutz

Veröffentlicht am: 23. März 20263,4 min Lesezeit654 WörterKategorien: AlleAufrufe: 17

Wenn Kirche in die Kneipe geht

‚Oarhelljer Kneipengottesdienst‘ mit Predigt vom Fass, so lautete es in der Ankündigung zum ersten Gottesdienst dieses Formats, den wir im Oktober 2024 feierten. Dies war auch wörtlich zu verstehen, denn er fand in einer Weinstube statt und als Predigtpult diente ein Weinfass. Mit den Worten „Prost und Amen“ konnte eine gut durchmischte Kneipengemeinde begrüßt werden. Etwa 60 Personen füllten die Lokalität bis auf den letzten Platz. Unterstützt durch einen Livemusiker erklangen Lieder wie ‚Ein Stück vom Himmel‘ (Grönemeyer), ‚Engel‘ (Oerding), aber auch neues geistliches Liedgut wie ‚One of us‘ oder ‚Sailing‘, die im Ergänzungsband des Evangelischen Gesangbuchs (EGplus) zu finden sind. Biblischer Inhalt war die Hochzeit zu Kana.

Kreuzverhörfragen auf dem Bierdeckel

Diesem ersten Gottesdienst folgten bisher zwei weitere. So waren wir zu Gast in einem griechischen Restaurant. Dort feierten wir unter dem Thema ‚Griechischer Wein und himmlischer Segen‘ (Paulus auf dem Areopag). Der bisher letzte Gottesdienst fand abermals in der Weinstube statt. Er stand in Anlehnung an 1. Korinther 13 unter dem Thema ‚Nur die Liebe lässt uns leben‘. Die musikalische Palette reichte dieses Mal von Mary Roos über die Beatles (All you need ist love) bis hin zu Adel Talwil (Ist da jemand).

Mehr als 50% der Besuchenden waren bisher Menschen, die im gemeindlichen Kontext sonst nicht zu finden sind.

Alle Gottesdienste hatten eine ähnliche Struktur, die dem klassischen Predigtgottesdienst nachempfunden ist: Eröffnung und Votum, eine Psalmübertragung oder eine Meditation, eine Schriftlesung in paraphrasierter Form, ein Predigtgespräch als Dialog, Fürbitten, Vater unser und Segen. Ein zusätzliches Element ist das Kreuzverhör nach der Predigt, bei dem die Besuchenden ihre Fragen auf einem Bierdeckel notieren. Diese werden anschließend in Form eines kurzen Statements aufgegriffen.

Als Kirche raus aus der Blase

Entstanden war die Idee zu diesem Format auf einem Kirchenvorstandswochenende. Leitend war das Anliegen „Wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen, muss die Kirche zu den Menschen gehen“. Damit stehen wir unseres Erachtens in einer guten neutestamentlichen Tradition, denn Jesus ging auch zu den Menschen hin, und er stand dem Feiern durchaus nicht ablehnend gegenüber. Es ist uns wichtig, das Evangelium an den Orten weiterzusagen, an denen es auch Menschen hören, die nicht zur sogenannten „frommen Blase“ gehören. Zudem wollen wir das Bild einer Gemeinde vermitteln, die mitten im Leben steht. Wir wollen einladen und deutlich machen, dass bei uns jede und jeder willkommen ist. Dieses Konzept ist aufgegangen. Mehr als 50% der Besuchenden waren bisher Menschen, die im gemeindlichen Kontext sonst nicht zu finden sind.

Die Rückmeldungen nach den Gottesdiensten waren immer sehr positiv. Sie reichten von „Das war eine tolle Stimmung“, „Wie schön, dass Kirche auch einmal etwas Neues macht“ bis hin zur immer wieder gestellten Frage: „Wann ist der nächste Kneipengottesdienst?“ Wichtig ist auch das anschließende Weiterfeiern, nachdem das letzte ‚Amen‘ verklungen ist. Hier entwickeln sich Kontakte und es werden auch tiefgründige Gespräche geführt.

Foto von Amie Johnson auf Unsplash

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