Schaffe, schaffe, Kirchle umbaue
Schaffe, schaffe, Kirchle umbaue
VON Tanja Kasischke
Mittelalterliche Malerei, moderne Möbel und ein Sprungbrett von der Empore: Für die optische Verwandlung im Innern der Michaelskirche Heidenheim sind Jugendliche zuständig – und Dekanatsjugendreferent Stefan Hörz. Er sagt: „Es muss nicht perfekt sein, sondern wirksam.“
„Nett hier. Aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?“ Mit diesem Spruch hat das Land im Südwesten Marketinggeschichte geschrieben. Für die Jugendkirche MiKi passt er auch, zumal sie liegt bereits im „Ländle“ liegt. Ihre Tage im schwäbischen Heidenheim schienen gezählt, nachdem die Nutzungsintensität des Gebäudes stark zurückging. Doch statt des letzten Stündleins schlägt jetzt die Stunde der MiKi.
Hippe Kirche in alten Mauern
Die MiKi heißt mit vollem Namen Michaelskirche und wurde im Jahr 1490 gebaut. Lange Zeit war sie die erste am Platz, erst Ende des 19. Jahrhundert musste sie um die Gunst konkurrieren: „Mit dem Bau der Heidenheimer Pauluskirche als zentraler Kirche für die Evangelische Gemeinde in Heidenheim hat die Michaelskirche an Bedeutung verloren“, bestätigt Dekan Gerd Häußler. Den Bau preiszugeben, tat weh. „Immer wieder wurde deshalb in der Vergangenheit versucht, der Kirche ein eigenes Profil zu geben. Dies hat sich aber im Rahmen gewohnter Formate abgespielt, also Gottesdienste zu besonderen Anlässen oder Konzerte klassischer Kirchenmusik. Seit vier Jahren haben wir nun in verschiedenen Beteiligungsprozessen alternative Nutzungsmöglichkeiten erprobt. Dabei haben sich Möglichkeiten aber auch Grenzen der Kirche gezeigt. Mit dem Interesse von Stefan Hörz am Aufbau einer jugendorientierten Arbeit an und mit der Michaelskirche haben sich neue Perspektiven eröffnet.“
Stefan Hörz ist seit September 2025 Jugendreferent im Dekanat Heidenheim. Seine Auffassung einer Jugendkirche – von Jugendlichen aktiv gestaltet, konzeptionell und eben auch räumlich – trug er in unterschiedlichsten Gemeinden der Evangelischen Landeskirche in Württemberg vor. „Das Feedback war dasselbe: Coole Idee, aber bitte nicht in meiner Kirche“, erzählt er. Kurz gefasst: Er wurde abgewimmelt. Außer in Heidenheim. Dort traf sein Vorhaben auf die wenig bespielte Michaelskirche. Ein Match. „Stefan Hörz hat klar erkannt, dass das Umfeld der Kirche jetzt schon ein informeller Jugendtreffpunkt ist und fußläufig im Umkreis mehrere Schulen sind“, schildert Dekan Häußler. „Außerdem hat er die Aufgabe, die Kirche neu und intensiver zu nutzen, fest mit einem geistlichen Konzept verbunden. Indem eine historische Kirche genutzt wird, soll eine junge Gemeinde gebaut werden.“
„Das Feedback war dasselbe: Coole Idee, aber bitte nicht in meiner Kirche.“
Halfpipe neben Bibel
Moderne Sofas treffen auf mittelalterliches Chorgestühl. Ungewöhnlich sei nur die Form, differenziert der Jugendreferent. „Inhaltlich machen wir klassisch Jugendarbeit.“ Gespräche über Themen aus der Bibel, eigene Glaubenserfahrungen und Lebensfragen, das schließe die Halfpipe im Altarraum oder das Trampolin im Schiff nicht aus. Genau so wird die MiKi ausgebaut, von Jugendlichen, ehrenamtlich, in ihrer Freizeit. Sie schrauben Paletten zusammen, verlegen Kabel für Licht und Sound, bemalen einen ausrangierten Tischkicker neu – in den Farben des örtlichen Bundesligisten 1. FC Heidenheim. Materialkosten werden aus Spenden finanziert. „Das Jugendwerk hat mich super mit hineingenommen“, würdigt Stefan Hörz sein Team. Der Schwarzwälder wohnt erst seit wenigen Monaten in der Stadt. Er ist mit seiner Familie für den Job umgezogen. Derart integriert, konnte er aus dem Bestand schöpfen: Ein fester Kreis Jugendlicher, die sich am „Church Makeover“ beteiligten, existierte.
Was unterscheidet Heidenheim von den Dekanaten, in denen er vergeblich vorgesprochen hatte? „Die Haltung. Das sind Ermöglicher dort“, meint Stefan Hörz. „Die Idee war es ihnen wert, bestehende Strukturen zu prüfen und Angebote umzuschichten.“ Aus den freiwerdenden Mitteln wurde seine Stelle finanziert. Dekanatschef Häußler findet lobende Worte für die einzelnen Arbeitsbereiche, die an einem Strang gezogen haben: „Die Gremien des Jugendwerks waren bereit, eine bestehende Stelle, die zur Besetzung ausgeschrieben war, umzuwidmen und mit neuen Inhalten zu füllen.“
Auch die Mehrheit der Gemeinde steht auf Seiten der Visionäre. „Kritische Stimmen waren da“, sagt Stefan Hörz, „es gab Rückfragen, was das Projekt noch mit Verkündigung und den Zielen des Evangeliums zu tun habe.“ Er nahm den Einwand ernst: „Was hier entsteht, liegt in Gottes Kraft. Wir als Kirche stehen vor einer Transformation. Wo Kirche sich öffnet, kann sie Menschen neu erreichen.“ Hörz begleitet das Werden der Miki im Gebet und orientiert sich an einem handgeschriebenen Zettel, der in seiner Konfirmationsbibel liegt.
Wo Kirche sich öffnet, kann sie Menschen neu erreichen.
Wirksamkeit statt Perfektion
Darauf ermutigte seine Oma den Schüler vor Jahren, mutig voranzugehen. Der Bezug war ein völlig anderer, doch zur MiKi passt er gleichermaßen. „Ich bin der Befähiger“, definiert Heidenheims Dekanatsjugendferent seine Rolle, „ich will, dass sich Jugendliche in der MiKi gabenorientiert einbringen können. Es muss nicht perfekt sein, sondern wirksam.“ Ein festes Datum wann die Jugendkirche fertig ist, nennt er folglich nicht, sondern orakelt: „Nie.“ Ziel sei aber: „In fünf Jahren ist sie von morgens bis abends voll – ein Ort, an dem Glaubenserfahrungen stattfinden.“ Und Konzerte, den die Orgel behält ihren Platz oberhalb der Bar. Daneben auf der Empore ist jetzt das Sprungbrett runter aufs Trampolin.
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AUTORIN · AUTOR
Dr. phil. Tanja Kasischke war Redakteurin des Reformationsblogs „Mensch, Martin!“. Seitdem berichtet sie über Themen der missionarischen Gemeindeentwicklung, der Öffentlichen Theologie und wie Kirche den Wechsel von der sprachlosen Parochie zum ansprechenden Netzwerk meistert. Sehr begeistert ist sie von der Wiederentdeckung des prophetischen Amts als Teil der apostolischen Dienstgemeinschaft. Sie lebt in Berlin.

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