Von der Kapelle ins Chaos
Von der Kapelle ins Chaos
VON Marcus Tesch
Wie eine besinnliche Pilgertour zum Härtetest zwischen Tempomachern, Atemnot und einer Gastronomie wird, die ihre eigene Andacht wohl dem Warten gewidmet hatte.
Es sollte ein Outdoor-Angebot während der Coronazeit werden, hätte aber auch zu jeder anderen Zeit stattfinden können: eine Wanderung auf dem „Kapellenweg“ mit jeweils einer kurzen Andacht an jeder Kapelle. Zum Abschluss dann Einkehr bei einem örtlichen Lokal zu Essen oder Kaffee mit Kuchen. Ich war diesen Weg schon mit meiner Frau und später mit unserem Pfarrkonvent problemlos gewandert. Das Restaurant hatten wir ebenfalls getestet. Und die Reservierung war erfolgt. Liedblätter für alle waren kopiert, für jede Kapelle ein paar Gedanken als Andacht überlegt. Alles war also vorbereitet.
Verheißungsvoll gestartet
Dann kam der Tag. Gut gelaunt starteten wir also unsere Wanderung mit rund 30 Personen. Es war ein heißer Sommertag und schon stellte sich das erste Problem heraus: Die einen marschierten in einem solchen Tempo voraus, dass die anderen kaum Schritt halten konnten. Also kam es schon bei der ersten Kapelle zu einer längeren Wartezeit für die Eiligen. Trotz meditativer Gedanken stellte sich so recht keine meditative Atmosphäre ein. Einige wollten schlicht weiter und nicht noch länger warten.
Unverdrossen gingen wir dann dennoch weiter. Unmittelbar nach der zweiten Kapelle dann geriet einer in eine solche Luftnot, dass er sich abholen lassen musste. Die Vorgelaufenen mussten zusätzlich informiert werden. Und so ging es dann, mehr schlecht als recht, mit den übrigen Kapellen weiter. Die gewünschte besinnliche Atmosphäre war also schon längst dahin. Gott sei Dank erwartete uns am Ende dann noch ein schmackhaftes Essen oder ein leckerer Kuchen.
Enttäuscht gelandet
Doch dieses langersehnte Finale als Ausgleich für die schleppende Wanderung erwies sich leider als das größte Fiasko. Weder Bedienung noch Küche erwiesen sich der Aufgabe trotz vorheriger Anmeldung und Reservierung gewachsen. Getränke wurden auf mehrfache Nachfrage nicht gebracht, das bestellte Essen nicht serviert. Und als die ersten Portionen nach über einer Stunde kamen, erwiesen sie sich als ausgesprochen klein und geschmacklich wenig überzeugend. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich inzwischen eh schon auf den Heimweg gemacht.
AUTORIN · AUTOR
Marcus Tesch ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist seit 2005 Gemeindepfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Wissen (Sieg). Er kann sich begeistern für seine Familie, seine Arbeit, Werder Bremen, irische und schottische Folk Music und einen guten Malt-Whisky.

Die gute Seilschaft: hak’ Dich ein!
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