Glaube, der glowt

Glaube, der glowt

VON Rüdiger Jope

Veröffentlicht am: 21. April 20264,7 min Lesezeit842 WörterKategorien: Alle, Unterwegs, WanderroutenSchlagwörter: , , , , , Aufrufe: 26

In Münster probiert die glow church aus, wie Kirche für junge Erwachsene heute aussehen kann: laut und leise, mit Nebelmaschine und Vaterunser, mit Pizza und Tiefgang. Ein Sonntagnachmittag in der Jakobuskirche zeigt: Hier entsteht eine neue Kultur von Glauben und Gemeinschaft.

Draußen vor der Kirche stehen ein Bagger und ein Baugerüst am Turm. Drinnen: wuseliges Durcheinander. Soundcheck an einem Sonntagnachmittag für den Gottesdienst der Glow Church in Münster. „Ich Licht, nix Ton“, steht auf dem Shirt eines jungen Mannes. „Der Rest ist Freestyle – ihr seid ja nun schon hundert Jahre dabei“, beendet Philipp, der Popkantor, lachend die Bandprobe. Die zwanzigjährige Klara läuft durch den Kirchenraum, deutet auf Kabel und Taschen: „Was ist mit den Sachen hier, liebe Band?“

Um 16:34 Uhr stehen 17 junge Leute im Kreis. „Es ist so großartig, dass ihr dabei seid“, sagt Philipp. „Ich möchte euch an den erinnern, in dessen Namen wir heute diesen Gottesdienst feiern: Jesus Christus“, ergänzt Diakon Friedrich-Raik. „Jesus, lass uns in den Modus finden, um uns etwas von dir sagen zu lassen“, betet er.

Die Jakobuskirche füllt sich mit jungen Erwachsenen. Aus dem Nebel taucht die Band auf. „Alles wird gut“, singen sie. Strahlende Gesichter, der Funke springt über. Die Vision der Glow Church wird auf die Backsteinwand gebeamt: Junge Erwachsene sollen mit der Glow Church einen Ort stärkender Gemeinschaft finden, an dem sie Gottes Liebe begegnen, Hoffnung im Glauben an Jesus Christus finden und in ihrer Beziehung zu Gott, zu anderen und zu sich selbst wachsen können.

Ein Funke, der weiterglüht

Jeden dritten Sonntag im Monat wird hier in Münster der „Glow Leuchtturm“ gefeiert. „Glow ist so etwas wie ein Funken, ein Schein, ein Leuchten“, erklärt mir Klara mit leuchtenden Augen. „Es geht darum, dieses Leuchten weiterzugeben. Wir glowen, wir flammen, wir leuchten, wir strahlen nach außen.“ „Das klingt vielleicht erstmal allgemein – Gemeinschaft und Glaube“, ergänzt Diakon Friedrich-Raik, „aber das sind genau die zwei wesentlichen Themen junger Erwachsener. Die drängendsten Fragen sind Einsamkeit und Gemeinschaft: Wie bin ich Teil einer Gemeinschaft? Wo finde ich neue Gemeinschaften? Das ernst zu nehmen und Beziehungen in drei Richtungen zu denken – zu anderen, zu sich selbst und zu Gott – ist zentral.“

Unser Anspruch ist, Kirche für junge Erwachsene zu sein.

Zweifel, Wunden und Schritte im Glauben

Mit dem Smartphone in der Hand predigt der 35-Jährige über Thomas, den Zweifler. Wie vergewissern wir uns im Glauben an Gott? Was wäre, wenn Jesus heute hier wäre und dich einlädt, deine Wunden berühren zu dürfen? Es wird still im Raum. „Gott ist gegenwärtig“, hallt es durch die Kirche. Jugendliche schreiben sich Karten mit der Überschrift „Im Glauben Schritte wagen“. Beim gesungenen Vaterunser liegen sich Menschen in den Armen. Die Zeilen „Die Zeit ist reif. Wir laufen los. Gott geht mit uns. Das Leben ruft“ spülen die jungen Erwachsenen in den Gemeindesaal – zu Pizza, Cola und Gesprächen.

Mehr als nur Mitarbeit: eine „coole Gemeinschaft“

Später erzählt mir Friedrich-Raik von dem Anliegen hinter Glow: „Unser Anspruch ist, Kirche für junge Erwachsene zu sein. Klassischen Gemeinden fällt es häufig schwer, wirklich für diese Zielgruppe da zu sein. Oft werden junge Erwachsene dort vor allem als Mitarbeitende gebraucht. Natürlich arbeiten sie auch bei uns mit, aber ich würde sagen, es gibt bei uns mehr Freiheit, das zu tun und zu leben, was sie selbst wollen.“ Klara nickt: „Wir sind Gemeinde im Sinne einer richtig coolen Gemeinschaft. Wir wollen mit Glow eine zusätzliche ‚Empore‘ schaffen, um die Bedürfnisse junger Erwachsener gut abzudecken – nicht gegen die Gemeinden, sondern an ihrer Seite.“

Kulturwandel statt Nischenprojekt

Wo sehen Klara und Friedrich-Raik Glow in fünf Jahren? „Am besten mit vielen Leuten, die viel Herzblut hineinstecken“, lacht Klara. Sie ergänzt: „Dass wir ein Zuhause sind für Suchende, für Spirituell-Interessierte, für Menschen mit vielen Vorurteilen, die bei uns eine andere Perspektive gewinnen.“ „Was wir bei Glow machen, hat nicht nur mit Alter zu tun, sondern auch mit Kultur“, fügt Friedrich-Raik hinzu. „Wir pflegen eine Kultur, die in unserer Kirche sonst nicht so oft vorkommt. Wenn wir Kirche für junge Erwachsene bleiben wollen, muss sich unsere Kultur mitverändern – das ist unser Anspruch.“ Ein Wunsch von Anfang an, erzählt Klara, sei es gewesen, Vorbild zu sein: „Wir wollen Strukturen und Formate entwickeln, die Gemeinden übernehmen können. Wir sind da nicht geizig: Wenn ihr etwas bei uns cool findet – nehmt es und macht etwas daraus für eure Gemeinde! Wir gehen auch gerne in Gemeinden, wenn sie uns anfragen, und unterstützen sie vor Ort.“

Ich sitze wieder im Auto. Hoffnungsvoll. Im Radio meldet der Sprecher die 0:6-Schlappe von Preußen Münster in Dresden. Ich denke: Okay, im Fußball ging es heute gründlich schief. Aber mit der Glow Church Münster hat die Kirche ein echtes Pfund gegen den Abstieg.

Fotos: Rüdiger Jope

 

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