Wo Brot nach Gemeinschaft duftet
Wo Brot nach Gemeinschaft duftet
VON Mathias Kraft
Feuer an, Teig raus – und schon zieht der Duft von frischem Brot durch die Gräfenhäuser Pfarrscheuer. Was einst als Rumpelkammer diente, ist heute eine lebendige Backstube: ein Ort für knusprige Köstlichkeiten, gute Gespräche und echte Gemeinschaft.
Ein Traum ist wahr geworden: Anfang Juli wurde der neue Holzbackofen mitsamt Backstube in der alten Gräfenhäuser Pfarrscheuer eingeweiht. Wo früher eine Rumpelkammer war, knistert nun das Feuer. Es wird geknetet, geformt und gebacken – und bald zieht der Duft von frischem Brot durch das denkmalgeschützte Ensemble aus Kirche, Pfarrhaus und Pfarrscheune.
Mit dem Backofen ist ein besonderer Ort entstanden: Hier verbinden sich gelebte Tradition, handwerkliches Können und die Freude an der Gemeinschaft. Die Pfarrscheune wurde bereits vor 20 Jahren von Ehrenamtlichen aufwendig renoviert und mit Küche und Sanitäranlagen ausgestattet. Bis zu 40 Menschen finden darin Platz. Nun ist mit der Backstube ein weiterer Raum hinzugekommen, der nach Holz, Mehl und frisch gebackener Kruste duftet.
Einweihung mit biblischem Geschmack
Der offiziellen Einweihung war eine mehrmonatige Probephase vorausgegangen. In dieser Zeit sammelte die Backofengruppe erste Erfahrungen mit dem neuen Holzbackofen: Wie viel Holz braucht es? Wann ist die richtige Temperatur erreicht? Und wann muss die Glut weichen, damit das Brot nicht verbrennt, sondern eine kräftige Kruste und eine lockere Krume bekommt?
Zur Einweihung kamen Dekan Joachim Botzenhardt, Bürgermeister Steiner aus Birkenfeld, Pressevertreter und zahlreiche Interessierte. In seinem Grußwort erinnerte Dekan Botzenhardt an die tiefe Bedeutung von Brot und Wein in der Bibel. Sie stehen für Gottes Wort und seine Nähe. Der Mensch lebe zwar nicht vom Brot allein – so der Dekan –, brauche aber beides: Nahrung für den Leib und Nahrung für die Seele.
Bürgermeister Steiner würdigte vor allem die Ausdauer der Backofengruppe. Auch von Rückschlägen und Widrigkeiten habe sie sich nicht entmutigen lassen. Allein für den Umbau des ehemaligen Viehstalls zur Backstube leisteten die Beteiligten mehrere hundert Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Aus dem früher wenig beachteten Raum ist ein freundlicher Ort der Begegnung und der gelebten Tradition geworden.
„Die Pfarrscheuer zwischen Kirche und Pfarrhaus soll zu einem offenen Ort der Begegnung werden.“
Von der Idee zum Backhaus
Der erste Anstoß für das Projekt kam im Mai 2019 aus dem Projekt „Generation Neue Freiheit“ der Kirchengemeinde Gräfenhausen. Daraus entwickelte sich eine Interessengruppe, die sich für das Backen mit einem Holzbackofen begeisterte.
Zunächst wurden verschiedene Standorte in der Gemeinde geprüft. Im Gespräch waren ein Backhaus an der Alten Kelter oder ein Backofen neben der Pfarrscheuer. Beide Ideen ließen sich jedoch unter anderem aus Gründen des Denkmalschutzes nicht verwirklichen.
Den entscheidenden Hinweis gab schließlich ein Schornsteinfeger: Warum den Ofen nicht im ehemaligen Viehstall der Pfarrscheuer einbauen? Diese Idee erwies sich als Glücksfall. Der alte Stall bekam eine neue Bestimmung – und die Kirchengemeinde einen Ort, an dem künftig Brot und Begegnung zusammengehören.
Für die Umsetzung wurden rund 20.000 Euro benötigt. Bürgermeister Steiner sagte einen kommunalen Zuschuss von 5.000 Euro zu, wenn die Backhausgruppe 10.000 Euro an Spenden einwerben würde. Das Spendenziel war bereits ein halbes Jahr nach dem Start der Aktion erreicht. Vom Dekanat Neuenbürg kam außerdem die Zusage, bewegliche Gegenstände wie eine Knetmaschine und weiteres Backzubehör mit 50 Prozent aus dem Fonds für Innovation und Gemeindeaufbau zu bezuschussen. Damit war die Finanzierung rasch gesichert. Im vergangenen Winter konnte der Backofen aufgemauert und die Backstube eingerichtet werden. Seitdem weiß die Gruppe: Ein guter Ofen braucht Zeit – und ein gutes Projekt ebenso. Beides hat sich gelohnt.

Bürgermeister Steiner und Dekan Botzenhardt (v. r. n. l.) freuen sich mit dem Backofen-Team, v. l. n. r. Pfarrer Mathias Kraft, Christel Krämer, Helmut Freitag, Jürgen Becht, Angelika Biesen-Lüdecke, Volker Lüdecke über die Einweihung des Ofens in der Pfarrscheuer.
Wenn die Glut zum Garen einlädt
Der neue Holzbackofen kann weit mehr als Brot. Auch Flammkuchen, Hefezopf oder Braten lassen sich darin zubereiten. Nach dem Anheizen erreicht der Ofen Temperaturen von etwa 300 Grad Celsius. Danach wird die langsam abfallende Hitze genutzt – zuerst für das Gericht, das die größte Temperatur braucht, später für Hefezopf, Braten oder andere Köstlichkeiten.
Dafür braucht es Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Ein Holzbackofen funktioniert nicht auf Knopfdruck. Er lebt vom richtigen Holz, vom Gespür für die Glut und vom passenden Moment, in dem der Teig in den Ofen geschoben wird. Wenn dann die Tür geschlossen wird, beginnt das Warten: auf das Knacken der Kruste, den Duft von geröstetem Mehl und den ersten warmen Bissen.
Das Backofen-Team möchte seine Erfahrungen künftig mit weiteren Interessierten teilen. So soll das Wissen rund ums Backen weitergegeben werden – und die Pfarrscheuer zwischen Kirche und Pfarrhaus zu einem offenen Ort der Begegnung werden.
Denn am Ende geht es um mehr als um ein gutes Brot. Es geht um Menschen, die gemeinsam etwas schaffen. Um Gespräche, die beim Kneten entstehen. Um Feuer, das wärmt. Und um die Erfahrung, dass aus Mehl, Wasser, Salz, Zeit und Gottes Segen etwas entstehen kann, das Leib und Seele nährt.
Fotos von Patrick Rannacher, Mathias Kraft
Ein Beitrag von
Mathias Kraft ist Pfarrer für Pressearbeit im Kirchenbezirk Neuenbürg. Ihn begeistert, wenn aus der Gemeindebasis heraus solch innovative Ideen und Initiativen erwachsen.

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