Familienkirche zum Mitmachen

Familienkirche zum Mitmachen

VON Rüdiger Jope

Veröffentlicht am: 4. September 20266,2 min Lesezeit1145 WörterKategorien: Alle, Ausprobieren, AusrüstungSchlagwörter: , , , , , , , , Aufrufe: 31

Kirche Kunterbunt ist für Sabine Lamaack weit mehr als ein neues Format. Sie sieht darin einen Weg, wie Familien, Kinder und Erwachsene gemeinsam Glauben erleben können — offen, niedrigschwellig und mit spürbarer Freude.

RJ: Wie bist du auf Kirche Kunterbunt aufmerksam geworden?

SL: Ich bin über den Gnadauer Kongress 2019 in Willingen darauf gestoßen. Dort habe ich ein Seminar mit Reinhold Krebs, einem der Gründerväter von Kirche Kunterbunt Deutschland besucht, und das war für mich ein echtes Schlüsselerlebnis.

(begeistert) Ich bin danach nach Hause gefahren und dachte: Das ist es. Wenn etwas missionarisch funktioniert, dann dieses Konzept. Für mich ist Kirche Kunterbunt keine neues Kinderprogramm, sondern eine Qualitätszeit für die ganze Familie – Kirche für Menschen, die nicht mehr in die klassische Kirche gehen.

Wie wurde das dein Umfeld aufgenommen?

(lacht) Am Anfang musste ich im Verband ziemlich dafür kämpfen. Viele dachten zuerst: Das ist wieder nur ein neues Angebot von vielen für Kinder. Aber genau das ist es nicht. Kirche Kunterbunt lebt davon, dass Familien gemeinsam etwas erleben. Ich habe dann begonnen, das Konzept vorzustellen, erste Live-Abende zu machen und Menschen praktisch hineinzunehmen. So hat sich nach und nach gezeigt, wie tragfähig das Format ist.

Was macht Kirche Kunterbunt für dich besonders?

Das Besondere ist die Mischung aus generationsübergreifender Willkommenskultur, Kreativität, Christuszentrierung und fröhlichem Feiern. Gerade das fröhliche Feiern wirkt für viele erst einmal wie ein Widerspruch zu Kirche. Aber genau darin liegt der Schlüssel. Über die Art, wie Kirche Kunterbunt gefeiert wird, kommt Gottes Liebe auf eine Weise rüber, die Menschen erreicht und ihnen Freude macht.

„Kirche Kunterbunt ist keine neue Arbeit mit Kindern, sondern eine Qualitätszeit für Familien – Kirche für Menschen, die nicht mehr in die klassische Kirche gehen.“

Wie läuft so ein Treffen typischerweise ab?

Es beginnt mit einer Willkommenszeit. Die Menschen kommen an, bekommen Kaffee, ein Namensschild und einen ersten Hinweis auf das Thema. Dann folgt die Aktivzeit mit verschiedenen Stationen, an denen man etwas ausprobiert, spielt oder experimentiert. Danach wird das Erlebte aufgenommen und mit einer biblischen Geschichte oder einer Glaubensfrage verbunden. Zum Schluss gibt es kreative Gebete wie Laola Welle und oft auch besondere Segensformen — zum Beispiel einen Konfetti- oder einen Wunderkerzensegen.

Warum funktioniert das so gut?

(begeistert) Weil Menschen Glauben nicht nur erklärt bekommen, sondern ihn mit Kopf, Herz und Händen erleben. Kinder und Erwachsene entdecken gemeinsam etwas Neues. Dabei entstehen Gespräche, die im Alltag oft keinen Platz haben. Viele merken erst im Nachhinein, dass sie ganz selbstverständlich gebetet haben. Diese Leichtigkeit nimmt Hemmungen und öffnet Räume.

Was erleben Familien daran als entlastend?

Sie merken schnell: Hier muss ich mal nichts perfekt organisieren. Es gibt etwas zu essen, die Kinder sind willkommen, und auch Erwachsene kommen ins Gespräch. Man darf da sein, wie man ist — als Alleinerziehende, als berufstätige Mutter oder als Familie mit allen Eigenheiten. Genau das entlastet und schafft einen echten Zugang.

Welche Sehnsucht spricht Kirche Kunterbunt an?

Ich glaube, es ist die Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach Sinn und nach Gott. Viele spüren: Ich will nicht alles allein tragen. Ich möchte Orte, an denen ich mit meinen Fragen ankommen kann, ohne Fachwissen mitbringen zu müssen. Kirche Kunterbunt ist kein Expertenformat. Man muss die biblischen Geschichten nicht kennen, um mitmachen zu können.

„Kirche Kunterbunt ist kein Expertenformat. Man muss die biblischen Geschichten nicht kennen, um mitmachen zu können.“

Gab es eine Situation, die Sie besonders bewegt hat?

Ja, sehr. Es gab einmal ein Schnurgebet, bei dem es um Verbundenheit ging. Eine Mutter und ihr Sohn, vermutlich schon in der beginnenden Pubertät, waren vorher ziemlich zerstritten. Beide waren angespannt, der Sohn hatte eigentlich keine Lust dabei zu sein, die Mutter war sichtlich genervt. Und dann kam in diesem Gebet die Frage: Was schätzt ihr aneinander? Da habe ich gesehen, wie die beiden sich plötzlich in den Armen lagen — mit Tränen in den Augen. Das hat mich tief bewegt, weil da Streit nicht einfach nur verdrängt wurde, sondern echte Versöhnung möglich wurde.

Was hat dich an diesem Moment so berührt?

Dass Kirche Kunterbunt mitten in einer ganz alltäglichen, schwierigen Familiensituation etwas auslösen kann, das wirklich heilt. Gerade in dieser empfindlichen Phase zwischen Mutter und Sohn war zu spüren: Da passiert etwas. Und das nicht über Druck oder Moral, sondern über eine einfache, offene Form, die Herzen berührt.

Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde: Genau das braucht Kirche?

Ja, das war eigentlich schon ganz am Anfang, als ich bei Reinhold Krebs ein solches Beispiel gehört habe. Er erzählte von einer kleinen Gemeinde, die nicht genug Mitarbeitende hatte und deshalb über die Zeitung Leute gesucht hat. Daraufhin kamen Menschen dazu, die mit Kirche vorher gar nichts zu tun hatten. Eine Frau sagte sinngemäß: Ich kann nichts Kirchliches, aber ich kann Kaffee kochen. Und genau das hat gereicht, um mitzumachen. Für mich war das eine Initialzündung.

Was macht dieses Prinzip so stark?

Reinhold Krebs hat dafür den Satz geprägt: „Belonging before believing.“ Das finde ich sehr treffend. Menschen dürfen nicht erst dazugehören, wenn sie alles glauben. Bei Kirche Kunterbunt ist das ganz konkret: Man muss sich nicht jahrelang verpflichten, sondern kann auch einfach einmal eine Station übernehmen. So kommen Menschen mit ihren Begabungen hinein, ohne sich gleich festzulegen.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass Gemeinden ein wirklich missionarisches Herz entwickeln und sich in Gottes Liebe hineinnehmen lassen. Kirche Kunterbunt lebt davon, dass sie generationsübergreifend ist. Gerade ältere Menschen bringen oft Fähigkeiten mit, die Jüngere nicht mehr haben — etwa beim Basteln, Vorbereiten oder in der Kaffeeküche. Ich wünsche mir, dass Gemeinden diese Offenheit entdecken und merken: Wir müssen nicht alles selbst stemmen. Wir dürfen Menschen einfach einladen.

Was könnte Kirche Kunterbunt in der Gemeinschaftsbewegung, in der Kirche verändern?

(leidenschaftlich) Wenn Gemeinden lernen, sich auf diese Weise zu öffnen, kann daraus neue Bewegung entstehen. Nicht mit dem Denken „Früher war alles besser“, sondern mit der Frage: Wie können wir heute Menschen für Gottes Liebe begeistern? Genau da liegt für mich die Chance von Kirche Kunterbunt.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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