Kirche im Upcycling-Modus

Kirche im Upcycling-Modus

VON Benjamin Limbeck

Veröffentlicht am: 10. August 20262 min Lesezeit408 WörterKategorien: Dossiers, Gemeinde – allein zu Haus, Kompass, UnterwegsSchlagwörter: , , , , , , Aufrufe: 23

Weniger Hauptamt, mehr Beteiligung: Was nach Sparmodell klingt, könnte ein geistlicher Schatz sein. Unser Podcast geht der Frage nach, ob die Ehrenamtskirche Rückschritt, Übergang – oder ein echter Aufbruch ist.

Ehrenamtskirche: Ist das Recycling, Upcycling, völlig neu oder nur der Notnagel für die Landeskirche? In unserem Podcast „Praktisch.Theologisch.Kirche.“ haben wir dazu in Staffel 9 sechs Folgen veröffentlicht. Michael Herbst gibt in dem Vortrag eine Einführung in das Konzept der Ehrenamtskirche. Die landeskirchlichen Gemeinden werden schon lange professionell versorgt. Das war institutionell entschieden und wurde von vielen Gemeindegliedern dankbar angenommen: Wenn einer verantwortlich ist, entlastet das die anderen. Die hohen Qualifikationsansprüche an die hauptamtliche Mitarbeit gewährleisten in allen Gemeinden einen ähnlich hohen Standard.

Die Hauptamtlichkeit kommt an ein Ende

Jetzt wird aber der Fokus auf die Hauptamtlichen mehr und mehr aufgelöst. Das ist eine Konsequenz von fehlendem Personal und Finanzen, aber auch aus der Hoffnung, damit einen alten Schatz heben zu können. Benjamin Schliesser, Professor für Neues Testament in Bern, weist auf die biblische Fundierung dieses Schatzes hin. Paulus ist keine One-Man-Show; er investiert in andere, die Gemeinden gestalten sollen (Phil 1,1). Dr. Felix Eiffler berichtet passenderweise, dass sich das Ausbildungsformat im landeskirchlichen Kontext langsam in Richtung Befähigung und Beteiligung (Empowerment) von Freiwilligen verschiebt.

Die Kesselkirche in Stuttgart zeigt, wie es in der Praxis gehen kann. Sie wurde von Freiwilligen gegründet und läuft so selbständig, dass sie keinen Hauptamtlichen bräuchte. Pfarrer Michl Krimmer findet dort seinen Platz als Unterstützer und Befähiger. Er sagt, Ehrenamtliche, die die Gemeinde zu ihrer eigenen machen, sind Gold wert. Und wer die Kultur einer Gemeinde prägen will, der soll das mit einer 15-Jahres-Perspektive machen.

Die Ehrenamtskirche ist nicht die Antwort auf alle Fragen.

Das passt zu der Erfahrung, die der Pfarrer Tobias von Boehn in seiner Gemeinde machte. Über 25 Jahre haben sie in ihrer Gemeinde hochgehalten, der Verantwortung und Ernsthaftigkeit Freiwilliger zu vertrauen. Es soll Freiraum da sein für Experimente und viel Fehlerfreundlichkeit. Inzwischen profitieren sie von selbständig agierenden und kompetenten Freiwilligen.

Potenzial freisetzen

Die Ehrenamtskirche ist nicht die Antwort auf alle Fragen. Vieles ist mühsam neu zu konzipieren. Es fehlen oft kompetente und motivierte Freiwillige. Michael Herbst ist überzeugt, dass es für die Chance im Umbruch eine Vision braucht. Am ehesten ist das wohl Upcycling: Ungenutztes Potenzial freisetzen, um noch besser als davor zu sein.

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