„Kirchenerneuerung sollte irgendwann die Regel sein.“

„Kirchenerneuerung sollte irgendwann die Regel sein.“

VON Tanja Kasischke

Veröffentlicht am: 16. September 20263,9 min Lesezeit752 WörterKategorien: Alle, Dossiers, Zukunft KircheSchlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , Aufrufe: 18

Mit dem Kairos-Preis für innovative Glaubensprojekte in Kirche und Diakonie ruft die Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste (AMD) ihre Mitglieder auf, ins Rampenlicht zu treten – oder: aufs Spielfeld, um sich gegenseitig die Bälle zuzuspielen.

Vernetzung, Vordenken, Verkündigung: Welche Anlässe der Preis verstetigen soll und was sie herausgefordert hat, haben wir Christian Ceconi gefragt. Der Direktor der Berliner Stadtmission ist Mitglied im AMD-Vertrauensrat.

„Kairos“, das meint den perfekten Moment oder die günstige Gelegenheit. Den gleichnamigen Preis verleiht die AMD anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums.

Was ist die Botschaft der Auszeichnung?


Christian Ceconi: Jetzt ist die Zeit für Mission! Kairos, das heißt: Gott tut was und wir sind dabei. Was heute die missionarische Diskussion anregen kann, das möchten wir mit dem Preis in Erfahrung bringen und Menschen auszeichnen, die in ihrer Kirche oder ihrem Werk den Mut zur Veränderung bewiesen haben. Wenn wir Geld in die Hand nehmen für die Sache der Mission, sind wir bei der Sache.

Die Sache der Mission, was heißt das für die AMD konkret? 


Christian Ceconi: Weniger Begriffsfixierung – mehr Handlungsorientierung, also der Frage nachzugehen, mit welcher Mission wir unterwegs sind. Wir erzählen von Christi Hoffnung und arbeiten auf die Vision vom Reich Gottes hin. Bei der Berliner Stadtmission zum Beispiel löst der Begriff Mission kein Befremden aus. Menschen, die hier mitwirken, Geben der Mission Jesu Gestalt. Glaube, das ist Lebenspraxis, keine intellektuelle Einübung.

Kirchenerneuerung ist Teil dieser Lebenspraxis, kommt aber nur schwer voran. Wie wird der Kairos-Preis Bewerbende unterstützen?

Christian Ceconi: Der Preis baut Community. Wenn der eigene Kontext den Anschein erweckt, dass innovative Projekte oder kirchliche Aufbrüche vereinzelt sind, motiviert so ein Austausch, sich zu vernetzen.

Man merkt, die anderen machen das auch und ihnen geht es wie mir?

Christian Ceconi: Ja, Kirchenerneuerung macht Spaß, besonders in Gemeinschaft, und die AMD will zu dieser Spielfreude beitragen. Gleichzeitig schreiben wir nicht vor, wie. Wir kennen den Weg manchmal noch nicht, aber das ist kein Grund, stehenzubleiben.

Das ist im Raum der Kirche nicht unbedingt Konsens.

Christian Ceconi: Unser evangelisches Bekenntnis basiert auf wortlastigen Kategorien und teilt ein in richtig oder falsch. Unsere Gesellschaft unterscheidet indes zwischen relevant und nicht relevant, oder zwischen authentisch und nicht authentisch. Um da anschlussfähig zu sein, muss sich Kirche in ihrem Handeln neu aufstellen.

Wo steht Kirche gegenwärtig und wie beeinflusst das die Arbeit der AMD? 


Christian Ceconi: Die AMD ist in einer Phase, in der sie sich neu erfindet – wieder neu erfindet möchte ich sagen, denn das hat sie immer getan. Wir wollen die missionarische Sache voranbringen, und gleichzeitig werden Personalstellen für die Ansprechpartner:innen in den Landeskirchen abgebaut. Wir suchen also neue Wege, das Thema der Mission in die strategische Organisationsentwicklung der Kirchen und Werke einzubringen. Es ist zentral für die Zukunft der Kirche – und war es schon immer.

Weil kirchliche Aufbrüche als vereinzelt wahrgenommen, statt in eine Struktur übersetzt und in ihrer Wirksamkeit gebündelt zu werden? 


Christian Ceconi: Kirchenerneuerung sollte irgendwann die Regel sein. Dazu braucht es eine institutionelle Ebene, die Innovationen in ihrer Vielfalt ordnet und kirchenpolitisch andockt. Das muss kein Widerspruch zur Struktur von Kirche oder Diakonie sein, aber der Anspruch, sich ihre Organisationsgrammatiken anzuschauen und zu fragen: Wo sind unsere Stellschrauben für Mission? – das macht Sinn.

Um kirchliches Handeln authentisch und relevant für die Menschen aufzustellen?


Christian Ceconi: Ja. Die Menschen sagen: „Ich vertraue einer Kirche, wenn sie erfüllt, was in meinen Augen ihre Aufgabe ist“, so hat es Georg Bätzing, der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz einmal formuliert. Das trifft es. Die Ebenen, auf denen Entscheidungen über Innovationskonzepte und -budgets getroffen werden, müssen nah an den aktuellen Lebenswelten der Menschen sein – nicht nur der kirchlichen.

Daran ändert der Kairos-Preis vorläufig aber nichts, oder?


Christian Ceconi: Der Preis ist ein Baustein, um sich in der neuen missionarischen Welt zurechtzufinden. Kairos macht Lust, aufzubrechen. Was wir als Nächstes brauchen, ist ein topografisches Modell für die Vielfalt der missionarischen Ansätze und Projekte, denn die missionarische Landkarte ist immer bunter geworden. Da ist die AMD dran.

Foto: Berliner Stadtmission, Jan-Erik Nord

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