Buchtipp: „Führungsweise“ von Thomas Härry

Buchtipp: „Führungsweise“ von Thomas Härry

VON Sandro Göpfert

Veröffentlicht am: 19. August 20262 min Lesezeit397 WörterKategorien: Alle, Ausrüstung, LesenSchlagwörter: , , , , , , Aufrufe: 71

„Führungsweise. Maßvoll leiten, weise verändern, verwurzelt leben“

Von Thomas Härry

Brockhaus

Vier Bücher von Thomas Härry habe ich bereits gelesen – davon drei zum Thema Leitung. Eine gewisse Vorliebe für den Schweizer Pastor, Dozent, Berater und Autor ist bei mir also nicht von der Hand zu weisen. Womit sich die Frage stellt: Kommt da eigentlich noch etwas Neues?

Klare Antwort: Ja! Denn abgesehen davon, dass der Bedarf an fähigen Leiterinnen und Leitern aktuell riesig ist (11), vertieft und spezifiziert er wichtige Themen immer weiter – und außerdem gibt es ja neue Herausforderungen, vor denen man als Leser steht: Ich erlebe in meiner Landeskirche womöglich die stärksten strukturellen Umbrüche seit der Reformationszeit. Transformation und Veränderung sind die neuen Schlüsselworte. Bei manchen Entwicklungen bin ich sehr skeptisch, ob sie uns weiterbringen.

Deshalb ist für mich persönlich der Mittelteil über Veränderungsprozesse (95-163) das Herzstück des Buches, v. a. die wertvollen Gedanken zum „Verlustmanagement“ (110-114). Hier habe ich mich zum einen seelsorgerlich mitgenommen, zum anderen für einen neuen Aufbruch ermutigt gefühlt. Vielleicht ist das auch ein gutes Stück Typsache. Wenn Thomas Härry seine leichte Begeisterungsfähigkeit, seine Leselust (84) und Jagd nach neuen Leseschätzen beschreibt (226), dann denke ich dabei: Warum kennt der mich eigentlich so gut? Wenn es dann um heilsame Begrenzungen geht und noch dazu Dietrich Bonhoeffer als Kronzeuge aufgerufen wird (44ff; 238ff) bin ich ganz Ohr. Dazu kommt eine gute Portion gesellschaftlicher Realismus: „Wir beginnen langsam zu begreifen, dass es eben nicht immer nur bergauf geht.“ (106) Dass es im Kern einer „guten Führungsweise“ und bei „weiser Führung“ (242) nicht zuerst um gutes Handwerkszeug und kluges Management geht, sondern um gestaltetes geistliches Leben, wird ebenso deutlich: „Das rechte Maß finden, sich begrenzen, an richtiger Stelle mutig sein, Widerstand einordnen und besonnen darauf reagieren, das setzt innerlich verankerte Menschen voraus.“ (170)

Klar ist und bleibt bei allem Ausstrecken nach Wachstum und Entwicklung theologisch: „Der Zuspruch trägt den Anspruch. Die Gabe (Gottes) trägt die Aufgabe.“ (242) „Was immer wir an Gutem sind und haben, verdanken wir Christus. Wir haben es empfangen“ (41) Wer mit den immer wieder eingestreuten jüdischen Bezügen dem Abenteuer von Chuzpe folgen (70ff), dem Wert von Gravitas nachspüren (180ff) und als krönendem Abschluss den Schatz des Lesens neu entdecken möchte (217ff), ist hier bestens aufgehoben!

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