Das Selbstgespräch – Kollegiale Beratung mit sich selbst
Das Selbstgespräch – Kollegiale Beratung mit sich selbst
VON Gunter Schmitt
Jeder kennt das: die inneren Dialoge vor wichtigen Entscheidungen oder schwierigen Gesprächen. Viele Stimmen melden sich dann in uns und gehen ins Gespräch und wir wägen ab. Jeder von uns ist als Team unterwegs und jedes Selbstgespräch ist auch eine Teamsitzung des inneren Teams. Deshalb ist verwunderlich, wie selten das Selbstgespräch zum Thema wird.
Supervision im Einer-Setting
In kirchlichen Transformationsprozessen wird viel auf Beratung und Coaching gesetzt, auf Supervision des Pfarrteams zum Beispiel. Ich staune immer wieder, wieviel Zeit und Geld für externe Beratung eingesetzt wird. Und wie wenig andererseits das kleine, hilfreiche Werkzeug der internen Beratung eine Rolle spielt, das mal „Supervision im Einer-Setting“ oder „Intro-Vision“ oder eben schlicht „Selbstgespräch“ genannt wird. Ich denke, es ist sehr sinnvoll und effektiv, wenn wir uns immer wieder im kollegialen Selbstgespräch üben und fortbilden. Denn
- diese Selbstgespräche finden sowieso die ganze Zeit statt, eine Schulung kann helfen, die Gespräche mit mehr Steuerungskompetenz zu gestalten.
- der Beratungsbedarf ist so hoch, dass eine externe Beratung oft zu spät oder gar nicht zur Verfügung steht.
- Untrainierte verfallen im Selbstgespräch leichter in eine Problemtrance, anders ausgedrückt: sie kommen schwerer aus dem Kreisen um das Problem heraus, sehen seltener neue und befreiende Perspektiven.
Hier nur drei Tools, wie wir die Stimmen, die sich ja eh in uns melden, zieldienlich und entlastend nutzen können:
- Tagebuchschreiben
Das aller einfachste Werkzeug ist das gute, alte Tagebuchschreiben. Für mich persönlich das wichtigste Instrument des Selbstmanagements und der Selbstreflexion. Ich habe mir angewöhnt, hin und wieder das Tagebuch als Sitzungsprotokoll meines inneren Kollegiums zu gestalten, meist als klassisches Verlaufsprotokoll. - Personalisierung der inneren Stimmen
Ich gebe den verschiedenen Stimmen, die sich in mir melden, Namen, als wären sie eigenständige Personen, und ich artikuliere deren Beiträge hörbar. Das erfordert etwas Übung, kann aber witzig sein und Spaß machen („Paul, Du kommst später wieder dran, jetzt lass erst einmal Ina ausreden.“). Hilfreich ist, die Gefühle und alles, was sich bei diesen Personen meldet, aufzuschreiben. Damit holen wir Unbewusstes ins Bewusstsein und können es dann besser koordinieren. Das kann methodisch weiter aufgefächert werden, zum Beispiel durch die sechs farbigen Denkhüte von De Bono, dazu gibt es viel Material im Netz. - Virtueller Reflecting-Partner
Neben meinem Stuhl ist ein zweiter, auf dem niemand sitzt, aber ich stelle mir vor: mein altes Ego sitzt dort, eine andere Seite von mir, mein „weiseres Ich“, mein bester Freund, ein Ressourcenbild etc. – Etwa bei einem schwierigen Telefongespräch ist es sinnvoll, immer wieder auf diesen Stuhl zu schauen, mit dem virtuellen Partner in Kontakt zu sein und sich von ihm beraten zu lassen.
Ein Beitrag von
Gunter Schmitt ist Pfarrer und Systemischer Coach (EASC) beim Missionarisch-Ökumenischen Dienst der pfälzischen Landeskirche und ist dort u.a. zuständig für Gemeindeentwicklung. Außerdem ist er ehrenamtlicher Mitarbeiter in einem Erprobungsraum seiner Landeskirche.

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