Erst das Holz. Dann das Floß. Dann los.
Erst das Holz. Dann das Floß. Dann los.
VON Susanne Grimbacher
Pionier:innen zu sein bedeutet nicht, die beste Idee oder das größte Wissen zu haben. Es bedeutet, sich ein Herz zu fassen und den ersten Schritt zu wagen – auch wenn noch nichts klar ist. Susanne Grimbacher darüber, warum Mut der eigentliche Motor jeder Pionierarbeit ist.
„Sue, kannst du uns einen Artikel darüber schreiben, was das Herz einer Pionierin ausmacht?“ Ja, kann ich. Und eigentlich ist es schnell gesagt: Es ist Mut. Erst dachte ich, Pionier:innen seien neugierig, kreativ, mutig und beharrlich. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich: Mut reicht.
Einfach machen!
Es zeichnet Pionier:innen nicht allein aus, dass sie neugierig sind. Das sind viele. Es zeichnet sie nicht aus, dass sie kreative Ideen haben. Das haben viele. Es zeichnet sie nicht aus, dass sie beharrlich in Widerständen sind. Das sind Traditionalist:innen auch. Pionier:innen sind mutig. „Das sind andere auch“, wird jetzt vielleicht jemand sagen. Sicher. Aber ich meine eine ganz bestimmte Art von Mut. Es geht nicht nur darum, eine gute Idee zu haben oder sogar einen Plan zu machen. Es geht darum, ihn umzusetzen. Und das braucht Mut. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
„Einfach machen!“ – das habe ich schon unzählige Male gehört. Diesen Rat geben alle Pionier:innen anderen Menschen mit. Denen, die auch etwas bewegen wollen, aber noch am Anfang stehen. Wenn ich eine Sehnsucht im Herzen trage und eine Idee im Kopf habe: Wie soll ich anfangen? „Einfach machen“, sagen die Erfahrenen. Das klingt so einfach, so banal, fast schon naiv. Aber es stimmt. Der Unterschied zwischen Menschen mit Ideen, die irgendwann zu einem laufenden Projekt werden, und denen, deren Ideen nur Ideen bleiben, ist oft erstaunlich klein: Die einen haben sich ein Herz gefasst und den ersten Schritt gewagt. Die anderen sind stehen geblieben.
„Pionier:innen bleiben nicht im sicheren Hafen stehen.“
Ich kenne dieses Stehenbleiben selbst. Ich schaue auf meine vielen unausgereiften Ideen und traue mich nicht, den ersten Schritt zu gehen. Manchmal traue ich mich nicht einmal, diesen ersten Schritt konkret zu benennen. Denn wenn ich das täte, dann wäre ich ja schon einen Schritt weiter. Und dann müsste ich ihn vielleicht auch gehen.
„Was macht Pionier:innen aus?“, werde ich manchmal gefragt. Sind es die Menschen mit besonders guten Ideen? Die Kreativen? Die mit besonderen Kompetenzen, Spezialwissen oder viel Erfahrung? Sicher: Manche Pionier:innen sind besonders kreativ. Andere haben Wissen, das ihnen auf ihrem Weg hilft, oder Kompetenzen, die sie für ihre Mission brauchen. Aber im Wesentlichen geht es um etwas anderes.
Sich ein Herz fassen
Was alle Pionier:innen eint, die ich kenne, ist dies: Sie fassen sich ein Herz. Sie wagen den Schritt ins Ungewisse. Und sie tragen eine Vorstellung von Zukunft im Herzen, an der sie sich festhalten können, wenn sie ins Straucheln geraten. Pionier:innen bleiben nicht im sicheren Hafen stehen.
- Sie holen Holz.
- Sie bauen ein Floß.
- Sie betreten das Floß.
Und dann schippern sie los. Dabei geht es nicht darum, von Anfang an alles zu wissen oder zu können. Es geht darum, den ersten Schritt zu wagen. Und danach den nächsten zu entdecken. Und dann den nächsten. „Einfach machen“ bedeutet deshalb nicht, blind ins Wasser zu springen und darauf zu hoffen, dass man irgendwie ans andere Ufer kommt. Es bedeutet: Losgehen, obwohl noch nicht alles klar ist. Den ersten Schritt planen und ihn gehen. Ausprobieren. Scheitern. Nachjustieren. Den nächsten Schritt entdecken. Wieder losgehen. Schritt für Schritt. Nicht nur überlegen. Nicht nur planen. Machen.
- Erst das Holz.
- Dann das Floß.
- Dann los.
Foto: Pexels
Ein Beitrag von
Dr. Susanne Grimbacher ist Pastoralreferentin in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und arbeitet als Referentin für junge Erwachsene und pastorale Innovation.

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