Teil 7: Wenn Chips und Cola zum Leib Christi werden
Teil 7: Wenn Chips und Cola zum Leib Christi werden
VON Elisabeth Boodes
Was so einfach erscheint, weil wir es alle kennen und es in dem immer gleichen Schema abläuft, kann dann doch, wenn man es erst erlernen muss, recht kompliziert sein. Ich spreche davon, als Liturg das Abendmahl einzusetzen.
Als geborene Freikirchlerin, die sich noch an Abendmahlsrunden mit Chips und Cola im Jugendraum erinnert, ist die Abendmahlsliturgie oft noch eine Herausforderung. Nicht nur, wenn ich sie selbst machen muss.
Die Gemeinde ins Geschehen mit hineinnehmen
Nun war es soweit. Im Rahmen meiner Vorbereitung trommelte ich mir die Einsetzungsworte in etwas abgewandelter, mit moderneren Wörtern versehener Form ins Gehirn. Wir kennen sie alle: „Unser Herr Jesus Christ, in der Nacht, in der er verraten wurde…“ – aber sie auswendig, fehlerlos aufzusagen, ist noch eine andere Nummer. Und es ist ja nicht nur ein Herunterrattern gefragt, wie für das Weihnachtsgedicht einer 4-jährigen. Der Liturg erzählt die Geschichte des ersten Abendmahls. Diese Geschichte wird mit den immer gleichen Worten erzählt und soll doch dazu dienen, dass in diesem Moment das Abendmahlsgeschehen für die Gemeinde lebendig wird. Der Anspruch ist nicht, die Worte richtig aufzusagen. Die Zielrichtung der Einsetzungsworte ist, die Gemeinde mit in dieses Geschehen zu nehmen, das von damals bis heute wirkt. Welches Essen kann das schon von sich behaupten? Selbst die Ritter der Tafelrunde sind nur ein historisch gebliebenes Ereignis, wenn überhaupt. Mir fiel das zugegebenermaßen schwer. Den Weg in die Kirche habe ich mit dem Gebet verbracht, dass Jesus selbst mich mit dieser Abendmahlssituation wirklich in Verbindung bringt und ich nicht nur eine liturgische Figur abgebe.
„Es kommt darauf an, dass es Jesu Leib ist, der für uns gebrochen wurde und wir im Blick auf seine Auferstehung jeden Zerbruch ihm, dem Leben, hinhalten können.“
Gastgeber für Christus
Und dann war es soweit: ausgerechnet in der größten Kirche unserer Stadt, in der der Abstand zwischen Liturg und Gemeinde am weitesten ist, stand ich hinter dem Alter und setzte an, zum Abendmahl einzuladen. Bereits bei meinen ersten Worten, mit denen ich die Gastgeberschaft Christi und die Willkommenheit eines jeden ausdrücklich betonte, spürte ich einen Verbindungsaufbau zwischen der Gemeinde und mir, der nicht aus mir selbst heraus kam. Aufmerksame Gesichter ließen sich einladen, ansprechen, mit alten, etwas neu geformten Worten in die gewohnte und doch immer wieder neu zusammengesetzte Gemeinschaft bringen. Zugegeben: mein Jesus hat im Rahmen der Einsetzungsworte das ganze, ungebrochene Brot weitergegeben – den kleinen Satzteil „brach es“ habe ich leider vergessen. Schlimm? Nein. Darauf kommt es nicht an. Wir verteilen ohnehin ungebrochene Oblaten. Es kommt darauf an, dass es Jesu eib ist, der für uns gebrochen wurde und wir im Blick auf seine Auferstehung jeden Zerbruch ihm, dem Leben, hinhalten können.
Ein Beitrag von
Elisabeth Boodes, verheiratet, ist (oft musikalischer) Teil der ev. Kirchengemeinde Lippstadt und selbstständig als Rechtsanwältin tätig. Aus ihrer Feder stammt das Buch „Gnade ist immer trotzdem. Als Christin homosexuell? Eine Suche nach Antwort.“ (Neukirchener). Sie mag Toffifee und Eichhörnchen.

Die gute Seilschaft: hak’ Dich ein!
Dir gefällt BASECAMP?
Dann werde Teil unserer Community!
3E ist Basecamp zum Anfassen
Du hättest eines der Dossiers gerne im Printformat, du willst einen Stoß Magazine zum Auslegen in der Kirche oder zum Gespräch mit dem Kirchenvorstand? Dann bestell dir die entsprechenden Exemplare zum günstigen Mengenpreis!

