Mehr als ein Notnagel – Warum Kirche und CVJM Pionierinnen und Pioniere brauchen

Mehr als ein Notnagel – Warum Kirche und CVJM Pionierinnen und Pioniere brauchen

VON Göran John

Veröffentlicht am: 30. September 20262,9 min Lesezeit589 WörterKategorien: Alle, Dossiers, PionierINNENsein, Unterwegs, WildnisSchlagwörter: , , , , , , , , Aufrufe: 13

Sind kirchliche Pionierinnen und Pioniere einfach die Feuerwehr einer Kirche in der Krise? Menschen, die dort neue Formen ausprobieren sollen, wo Gemeinden keine Zugänge mehr finden? Wer so denkt, unterschätzt ihre eigentliche Berufung.

Grenzüberschreiter*innen gesucht

Pioniere sind keine Notlösung. Sie gehören zum Wesen einer Kirche und eines CVJM, die sich von Gottes Mission bestimmen lassen. Schon die ersten Christinnen und Christen waren Pioniere: Sie überschritten Grenzen, betraten unbekanntes Terrain und fanden Worte und Formen, durch die das Evangelium in neuen Kulturen Gestalt gewann. Das war Verkörperung des Evangeliums – Inkarnation Christi unter den Menschen.

Heute verändert sich unsere Gesellschaft rasant. Viele Menschen haben keinen natürlichen Bezug mehr zur Kirche. Die Relevanz der klassischen Kirche und des herkömmlichen CVJM schwindet. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie holen wir sie zurück? Sondern: Wo ist Gott bereits am Werk – und wie können wir ihm dorthin folgen?

Genau dort leben und arbeiten Pionierinnen und Pioniere. Sie hören zu, knüpfen Beziehungen und entdecken gemeinsam mit Menschen, wie das Evangelium in ihrem konkreten Lebenskontext Gestalt gewinnen kann. Dabei entstehen nicht einfach neue Projekte. Es entstehen neue Formen von Kirche und CVJM, die auf Gemeinschaft (Community Building) zielen.

Deshalb bringen Pioniere vor allem ein prophetisches Element in Kirche und CVJM ein. Prophetisch meint dabei nicht, die Zukunft vorherzusagen. Prophetisch heißt, Gottes Perspektive auf die Gegenwart sichtbar zu machen. Propheten stellen unbequeme Fragen: Wen übersehen wir? Welche Menschen erreichen unsere Strukturen nicht mehr? Wo halten wir an Formen fest, obwohl Gott längst Neues wachsen lässt? Pionierinnen und Pioniere stehen selten bequem im Zentrum. Meist sprechen sie von den Rändern her – vielleicht auch aus dem „wilden Süden“. Genau deshalb brauchen Kirche und CVJM sie: nicht als Störenfriede, sondern als Menschen, die helfen, Gottes Ruf neu zu hören.

„Pionierinnen und Pioniere stehen selten bequem im Zentrum. Meist sprechen sie von den Rändern her.“

Keine Parallelkirche, sondern ganze Kirche

Dabei wäre es ein Missverständnis, Pioniere als ausgelagerte Innovationsabteilung zu betrachten. Nach dem Motto: „Die experimentieren ein bisschen, während wir die eigentliche Kirche und CVJM-Arbeit machen.“ Pioniere wollen keine Parallelkirche bauen. Ihr Ziel ist die Erneuerung der ganzen Kirche. Sie eröffnen Möglichkeiten, von denen das gesamte System lernen kann. Sie zeigen, wie Kirche missionarischer, helfender, heilender, hörender, beweglicher und gastfreundlicher werden kann. Gute Pioniere fragen deshalb nicht zuerst: Wie gründen wir etwas Neues? Sondern: Wie können sich Kirche und CVJM insgesamt verändern, damit sie Gottes Mission heute besser dienen?

Die Bewegung Fresh Expressions of Church ist hier ein zentraler Ansatz. Innerhalb der CVJM-Bewegung findet er vor allem in Baden und im Westbund seinen Ausdruck im gemeindebildenden Segment: der YChurch (www.ychurch.de).

Die Zukunft von Kirche und CVJM entscheidet sich deshalb nicht daran, ob sie ein paar Pioniere oder Innovationstypinnen und -typen beschäftigen. Sondern daran, ob wir bereit sind, uns von dem herausfordern und verändern zu lassen, was Gott durch neue Formen von Kirche und CVJM sichtbar macht.

Den eigentlichen Auftrag wiederentdecken

Pioniere sind kein Notnagel. Sie erinnern an den eigentlichen Auftrag von Kirche und CVJM: das Reich unseres Herrn Jesus Christus unter allen Menschen auszubreiten – und deshalb den Menschen nachzugehen und die Form so zu verändern, dass der Inhalt des Evangeliums neu hörbar, spürbar und begreifbar wird. Pioniere sind prophetisch, weil sie der Kirche nicht nur zeigen, was sie verloren hat, sondern vor allem, was Gott bereits Neues wachsen lässt.

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